Was „End of Support" bei Domino bedeutet
Regulärer vs. erweiterter Support
End of Support bezeichnet das Ende des Supports durch den ursprünglichen Softwarehersteller. Bei HCL Notes und Domino 9.x gibt es mehrere Stufen, die sich zeitlich unterscheiden:
MeilensteinZeitpunktVeröffentlichung Domino 9.02013 Eingeschränkter Support für 9.0.x und 10.0.x31.12.2021 End of Marketing (kein Verkauf, kein Download im HCL Flexnet)01.12.2022 End of Support (regulär)01.06.2024 Ende des Extended Support30. Juni 2030
Was sich für den laufenden Betrieb ändert
Produkte hören nach dem Support-Ende nicht auf zu funktionieren. Es können aber keine Support-Fälle mehr eingereicht werden, und es gibt keine Fixes mehr aus der Entwicklung. Ihr Server läuft also weiter, doch bei Störungen oder neu entdeckten Schwachstellen fehlt der reguläre Weg zur Lösung.
Support-Status der eigenen Version prüfen
Versionen in der Umgebung identifizieren
Erfassen Sie zunächst alle Domino-Server und Notes-Clients mit exakter Version samt Fixpack. In gewachsenen Umgebungen laufen oft Test-, Archiv- oder Anwendungsserver, die in keiner Dokumentation mehr auftauchen.
→ Server: Version, Fixpack, Betriebssystem, Rolle (Mail, Applikation, Hub)
→ Clients: Notes-Versionen und Zugriff per Browser oder mobilem Gerät
→ Zusatzkomponenten wie Verse oder Drittanbieter-Erweiterungen
Offizielle Support-Informationen des Herstellers finden
Maßgeblich sind die Lifecycle-Angaben von HCL, nicht Forenbeiträge oder Drittquellen. HCL empfiehlt zudem dringend, auf die neuesten Fixpacks zu aktualisieren und den Support auf die neueste Liste der Ausnahmen zu überprüfen[3]. Da sich Termine verschieben können, sollten Sie jedes Datum vor einer Entscheidung gegen die Herstellerseite abgleichen.
Risiken bei veralteten Domino-Versionen
Sicherheitsupdates und Fehlerbehebungen
Wo Hotfixes für einzelne Kundensituationen entfallen[3], bleiben Probleme im Zweifel ungelöst. Wie ernst Schwachstellen sein können, zeigt ein Beispiel aus dem Domino-Umfeld: Im Vocabulary-Loading-Code können gezielte Manipulationen Speicherfehler auslösen, die zur vollständigen Kompromittierung eines Systems führen können[6]. Ein Mailserver ist meist aus dem Netz erreichbar und damit ein attraktives Ziel.
Kompatibilität mit Betriebssystemen und Clients
Ältere Softwareversionen können bei neueren Betriebssystemen, Browsern oder Verschlüsselungsstandards zu Kompatibilitätsproblemen führen. Auch Zusatzprodukte hängen von der Serverversion ab: Domino 14 unterstützt etwa nicht die Ausführung von Verse 2.0. Prüfen Sie deshalb vor jeder Änderung die gesamte Abhängigkeitskette.
Die Handlungsoptionen im Vergleich
OptionVorteileNachteileUpgradeRegulärer Support, aktuelle Technik, Anwendungen bleiben im Kern erhaltenPlanungs- und Testaufwand, Prüfung von AnpassungenErweiterter SupportZeitgewinn, kaum Änderungen im BetriebFunktionsumfang des Supports begrenzt, Problem wird nur verschobenMigrationChance auf neue Architektur und ProzesseHoher Aufwand, Neuentwicklung von Notes-Anwendungen nötig

Upgrade auf eine aktuelle Domino-Version
Als aktuelle verfügbare Domino-Version wird 14.0 genannt. Achten Sie bei der Zielversion auf deren eigenen Lebenszyklus: Domino 11.0 erreichte bereits am 26. Juni 2025 das End of Support.
Erweiterten Support nutzen
Für v9.0.x und v10.0.x gilt Extended Support bis zum 30. Juni 2030. Das verschafft Zeit, ersetzt aber keine Strategie. Klären Sie vorab mit dem Hersteller oder Ihrem Partner, welche Leistungen darin konkret enthalten sind.
Migration auf eine andere Plattform
Eine Migration lohnt sich vor allem, wenn Ihre Umgebung überwiegend aus Mail besteht und kaum eigene Notes-Anwendungen enthält. Domino wird jedoch auch für Workflow-Anwendungen, Planung und Zusammenarbeit genutzt. Dann müssen diese Funktionen vollständig nachgebaut werden, was den Aufwand deutlich erhöht.
Upgrade planen: Vorgehen in Schritten
Bestandsaufnahme von Servern und Anwendungen
Neben den Servern zählen die Datenbanken: Welche Anwendungen sind geschäftskritisch, welche seit Jahren ungenutzt? Wer Altlasten vor dem Versionswechsel aussortiert, reduziert Test- und Migrationsaufwand erheblich. Dokumentieren Sie außerdem Schnittstellen, Agenten und Signaturen.
Test, Pilotbetrieb und Rollout
→ Testumgebung mit Kopien wichtiger Anwendungen aufbauen
→ Pilotgruppe mit Anwendern aus verschiedenen Fachbereichen definieren
→ Rollout in Etappen mit dokumentiertem Rückfallplan durchführen
Lizenz- und Berechtigungsfragen beim Versionswechsel
Bestehende Berechtigungen prüfen
Prüfen Sie, welche Lizenzen und Wartungsverträge Sie besitzen und ob diese die Zielversion abdecken. Die Versionen 9 und 10 stammen aus der Zeit vor der Übernahme der ICS-Sparte von IBM durch HCL im Juli 2019. Alte Lizenzunterlagen können daher noch auf IBM lauten.
Wann externe Beratung sinnvoll ist
Externe Unterstützung hilft, wenn die Lizenzlage unklar ist oder intern das Domino-Know-how fehlt. Die Bücker GmbH bietet als IT-Dienstleister unter anderem HCL Domino Support, IBM Lizenzen und Lizenzberatung an.
Experten-Tipps für die Planung
→ Legen Sie ein internes Stichdatum fest, das deutlich vor dem Ende des Extended Support liegt.
→ Aktualisieren Sie als Zwischenschritt auf die neuesten Fixpacks Ihrer Version.
→ Sichern Sie vor jedem Schritt Datenbanken und Konfiguration vollständig und testen Sie die Wiederherstellung.
Häufige Fehler beim Umgang mit dem Support-Ende
→ Abwarten, weil der Server „ja noch läuft" – Support-Ende heißt nicht Funktionsende.
→ Zusatzkomponenten wie Verse bei der Zielversion nicht prüfen.
→ Eine Zielversion wählen, deren eigenes Support-Ende nahe liegt.
→ Lizenzfragen erst kurz vor dem Rollout klären.
Fazit
Der reguläre Support für Domino 9 ist beendet, Extended Support bis 2030 bietet nur Aufschub. Wer jetzt Bestand, Abhängigkeiten und Lizenzen erfasst, kann zwischen Upgrade und Migration in Ruhe entscheiden.
Ihr nächster Schritt: Erstellen Sie eine Übersicht aller Server, Clients und Anwendungen mit Version und Fixpack. Bei Fragen zu HCL Domino Support oder zur Lizenzlage unterstützt Sie die Bücker GmbH mit Lizenzberatung.